NRW

Streit um Lärmbelastung an der Teststrecke „Bilster Berg“

Justiz

Sonntag, 29. November 2020 - 10:05 Uhr

von Deutsche Presse Agentur

dpa/lnw Minden/Bad Driburg. Streit gab es bereits vor der Eröffnung der Rennstrecke „Bilster Berg“ im Teutoburger Wald im Jahr 2013. Jetzt will der Betreiber andere Grenzwerte bei der Lärmbelastung. Der Kreis Höxter lehnt das ab - zum Schutz eines Altenheimes.

Der Betreiber der Test- und Präsentierstrecke „Bilster Berg“ im Teutoburger Wald will auf Teilen des Areals die Genehmigung für eine höhere Lärmbelastung. Der Kreis Höxter hatte dies im Frühjahr 2017 abgelehnt. Jetzt verhandelt das Verwaltungsgericht in Minden in der Sache. Am 9. Dezember treffen die Streitparteien aufeinander.

Ursprünglich war auf der 4,2 Kilometer langen Strecke in der Ostkurve von der Genehmigungsbehörde eine Lärmbelastung von 74 Dezibel erlaubt worden. Die Vorgabe gilt zum Schutz der Bewohner eines Alten- und Pflegeheimes im benachbarten Nieheim. Mit einem Monitoringsystem muss der Betreiber die Einhaltung der Lärmgrenzwerte überwachen. Neu soll eine Lärmbelastung von 78 bis 79 Dezibel möglich sein. Insgesamt hat der Rundkurs 19 Kurven und ein Gefälle von 26 Prozent.

Lärm gilt als schädlich für die Gesundheit. Deshalb gelten strenge gesetzliche Vorgaben. Ein leises Radio oder normales Gespräch ist 60 Dezibel laut und stört die Konzentration. 80 Dezibel, die an Hauptverkehrsstraßen anfallen, erhöhen das Herz-Kreislauf-Risiko bei dauernder Belastung, 100 Dezibel bei jahrelanger Dauerbelastung (Kreissäge, Presslufthammer, Rockkonzerte) sorgen für Gehörschäden, ein startendes Flugzeug in 40 Meter Entfernung oder eine Trillerpfeife sorgen bei 140 Dezibel schon nach kurzer Zeit für einen Schaden.

Vor der Eröffnung der Strecke hatte es bereits zahlreiche juristische Auseinandersetzungen um Lärm- und Naturschutz gegeben. Im Juni 2013 war die Strecke offiziell eröffnet worden. Konzipiert wurde sie von dem ehemaligen Rennfahrer Hermann Tilke, der auch Formel-1-Strecken gebaut hat. Autobauer sollten ihre Produkte testen und präsentieren oder Privatleute ihre Wagen ausfahren können. Damit gab es nach mehr als 80 Jahren in den westlichen Bundesländern wieder den Bau eines Autorundkurses. Bis 1993 war das Gelände ein Munitionsdepot der Nato-Rheinarmee. Zuletzt gab es im November 2020 Proteste der Bürgerinitiative „Ruhe am Bilster Berg“.