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Leserbriefe

„Viele historische Gebäude bleiben nicht mehr“

Abrisspläne

Mittwoch, 11. September 2019 - 10:34 Uhr

von Reinhard Müller (aus Reken)

Leserbrief zur Berichterstattung über den geplanten Abriss des Gebäudes, das zuletzt das „KoColores“ beheimatet hat.

Foto: pd

Der bestehende Entwurf fürs Dorfgemeinschaftshaus (Ansicht von K1 Architektur) in Klein Reken soll durch einen zusätzlichen Entwurf ergänzt werden, der eine Fachwerk-Optik der Fassade vorsieht.

Nun ist sie wohl doch endgültig, die Entscheidung: Der historische Landgasthof „Zur Lärche“, der in neuer Funktion als Dorfgemeinschaftshaus noch weitere Jahrhunderte das Ortseingangsbild von Klein Reken hätte zieren können, wird abgerissen und muss einem modernen Neubau weichen. Dessen Entwurf ist nicht unattraktiv, er könnte aber in seiner aus Standard-Stilelementen zusammengesetzten Form in jedem anderen Ort stehen.

Natürlich müssen wir als Bürger diesen demokratischen, von allen Ratsfraktionen einhellig getroffenen Entscheidungsprozess akzeptieren, auch wenn er unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Aber ein fahler Beigeschmack bleibt: Während des Entscheidungsprozesses ging ein Großteil der Ratsmitglieder davon aus, dass es sich bei dem Bauwerk um eine eher wertlose, nicht erhaltenswerte, marode Bausubstanz mit nachträglich vorgesetztem „Kulissenfachwerk“ handele. Bei der Begehung durch die Ratsmitglieder, die ja in der Regel Laien im Bauhandwerk sind, lässt sich in einem nach längerem Leerstand verwahrlosten, von verschiedenartigen nachträglich eingebrachten Baumaterialien aller Epochen veränderten Gebäude ein solcher Eindruck leicht erwecken. Der Urheber dieses Gerüchtes wusste es besser. Und die beteiligten Architekten hätten es erkennen müssen.

Der in Kürze zu erwartende Abbruch wird es zeigen, und es bleibt zu hoffen, dass möglichst viele Bürger, auch die Entscheidungsträger, diesem traurigen Akt der Neobarbarei beiwohnen und sich vor Augen führen lassen, was hier eigentlich dem Erdboden gleich gemacht wird.

Das „Kulissenfachwerk“ wird nicht wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen, das ehrwürdige Gebäude wird den schweren Baumaschinen lange Zeit kräftigen Widerstand leisten, bevor sich seine 200 Jahre alte, robust verzahnte, auffällig kräftige Eichenständerkonstruktion in die Knie zwingen lässt.

Bleibt zu hoffen, dass sich ein solcher Vorgang nicht wiederholt: Viele historische Gebäude bleiben der Gemeinde nicht mehr.


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